Vortrag Birgit
Bosold, Mitglied des Vorstands, Schwules Museum Berlin
Moderation Renate Höllwart /ecm-Leitungsteam
Das Schwule
Museum wurde 1985 von einer kleinen Gruppe eigensinniger Aktivisten gegründet. Ihr Ziel war es, dem systematischen Ausschluss
queerer Geschichte und Kultur aus dem kollektiven Gedächtnis entgegenzuwirken. Mitten in der AIDS-Krise, als Politiker die
Internierung von HIV infizierten Menschen forderten und eine neue Welle queerfeindlicher Bestrebungen drohte, war die Aneignung
des symbolischen Kapitals des „Museums“ eine radikale Geste oder zumindest eine rotzfreche Ansage.
Getrieben von den gesellschaftlichen Umbrüchen, die queere Lebensentwürfe in die Mitte der Gesellschaft
befördert haben, hat sich das Museum seitdem zu einer der international bedeutendsten Institutionen in seinem Feld entwickelt
und ist ein anerkanntes Kompetenzzentrum für die Kultur und Geschichte queerer Menschen und sexueller und geschlechtlicher
Vielfalt, ein gefragter Kooperationspartner für Museen und Universitäten, die Institutionen der Kulturförderung und nicht
zuletzt für Künstler*innen und Aktivist*innen und eine lebendige Plattform des Austauschs, der Selbstverständigung und Selbstermächtigung
für die queeren Communities in Berlin und darüber hinaus.
In ihrem Vortrag beleuchtet Birgit Bosold die dynamische
Entwicklung des Schwulen Museums in der letzten Dekade und stellt Strategien, Strukturen und Projekte vor und zur Diskussion,
ob die Mission des SMU nicht schon erfüllt ist, wenn überall Regenbogenflaggen wehen oder ob es nicht vielmehr gerade jetzt
mehr als je darauf ankommt: Was könnte der spezifische Beitrag des SMU zur Aktivierung der progressiven Potentiale der Institution
Museum sein in einer Zeit, in der eine demokratische(re) Zukunft alles andere als gesichert scheint.
Birgit
Bosold (sie/ihr) ist seit 2006 Mitglied des Vorstands des Schwulen Museums Berlin (SMU) mit dem Schwerpunkt Funding,
Finanzen und Strategie. Sie war maßgeblich an der Entwicklung des SMU in der letzten Dekade beteiligt, u.a. als (Ko-) Kuratorin
von Projekten wie Homosexualität_en (2015/16),
Sexuality, Holocaust, Stigma (2017),
Jahr der Frau_en (2018),
Love at First Fight (2019),
Queering the Crip,
Cripping the Queer (2022/23) und zuletzt
Aufarbeiten:
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Zeichen von Emanzipation (2023). Nach Studium und Promotion im Fach
Literaturwissenschaft arbeitete sie für renommierte Banken und ist heute auch als Finanzplanerin und Investment-Expertin für
institutionelle und private Mandant*innen sowie als Dozentin und Autorin tätig. Ihre Erfahrungen und Kompetenzen im Umgang
mit ökonomischen Konzepten erweisen sich als ausgesprochen hilfreich für die Steuerung des Non-Profit-Unternehmens SMU.
Anmeldung unter:
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