Zum Semesterende plant die Universitätsgalerie der Angewandten die Ausstellung „A Poem is Being Written“
mit Studierenden der Angewandten und weiteren Künstler*innen.
Für die Teilnahme können sich Studierende aller Fachrichtungen
und aller Semester bewerben. Die Galerie interessieren insbesondere Arbeiten, die sich mit den Strukturen der Universität
für angewandte Kunst als Lernort auseinandersetzen, als Ort mit ausgesprochenen und unausgesprochenen Regeln; kurz diverse
Formen der Selbstreflexionen des Arbeitens an, mit und gegen die Angewandte.
Alle Formate und Medien sind willkommen.
Die Kurator*innen Anke Dyes und Anette Freudenberger wählen aus den eingegangen Bewerbungen aus.
Bitte ein höchstens
5-Seitiges Portfolio mit Ansichten, Stills oder Skizzen, sowie eine kurze Erläuterung (maximal 1 Seite Text) des Vorschlags
an
anette.freudenberger@uni-ak.ac.at schicken.
(maximal 2MB)
A Poem is Being Written
Die Ausstellung fragt nach den Bedingungen und Versprechungen
einer Ausbildung der ästhetischen Vorlieben und Fähigkeiten im Feld von Kunst und Gestaltung. Die Beschäftigung mit kreativen
Schulen und bedeutenden Lehrer*innen, die zuletzt im Heiligenkreuzerhof zu sehen war, aufgreifend, geht es um das, was sich
im Studium der Kunst oder des Design eigentlich (alles) vermittelt, und was davon wie bewusst? Und wie gehen Studierende mit
den Übereinkünften, Vokabeln und unausgesprochenen Regeln um, die sie gerade kennenlernen? Welche Konflikte entstehen, wenn
die eigenen Projektionen auf die Arbeit als Künstler*in, Architekt*in oder Designer*in auf ein Ausbildungssystem treffen und
wie können diese Konflikte produktiv werden?
Was sind die Reibungsmomente, in denen die Praxis den Rahmen der Institution
verlässt, oder diesen umnutzt, und ihn so zugleich reflektiert? Und ließe sich dieser Prozess auch als der Ursprung künstlerischen
Forschens verstehen?
Geleitet wird diese Untersuchung von einem Text von Eve Kosofsky Sedgwick. In „A Poem is Being
Written“ (in: „Tendencies“, 1993) nimmt sich die Literaturwissenschaftlerin und zentrale Denkerin der Queer Studies ihre eigenen
Kindheitsgedichte vor, um nach den Ursprüngen der Fantasie einerseits und der Idee des (vermeintlich noch unverdorbenen und
unausgebildeten, natürlich-genialen usw.) Frühwerks andererseits zu fragen. Sie fragt dabei implizit auch, welche Regeln und
Zwänge in der Ausbildung einer eigenen künstlerischen Sprache zum Tragen kommen.
Ihr Text lehnt sich dabei schon
im Titel an einen der bekanntesten Texte der Psychoanalyse an, Sigmund Freuds „Ein Kind wird geschlagen“, der aus der fantasierten
Szene der (damals leider üblichen) Erziehungsmethode das Gerüst einer inneren Anordnung von Wünschen, Vorstellungen und Begehren
ableitete. Sedgwick wendet diese Szene um. Nicht dem Kind passiert etwas, sondern eine kreative Handlung passiert. Diese ist
kein unverstellter, eigentlicher Selbstausdruck und auch nicht der Ausgang (oder das Ziel) der Erziehung. Das Schreiben von
Gedichten ist vielmehr Moment des Empowerment, der Wiederaneignung gemachter Erfahrungen, deren Bedingungen und Affekte nun
umgewandelt werden in eine eigene Formfindung.
Die Ausstellung sucht nach Momenten, in denen die Institutionen
und ihre Regeln in den Arbeiten der Studierenden umgewandelt werden zu eigenen Formen und Formaten. Ihnen wird dabei eine
(kleine) Auswahl von etablierteren Künstler*innen zur Seite gestellt, die über das Studium hinaus „Frühwerk“, Aneignung, Forschung
und Fantasie als spannungsvolles Verhältnis reflektieren.