Open Call der Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof

Einreichfrist: 01. Mai 2024
Für die Ausstellung „A Poem is Being Written“
12.6. – 29.6.2024
Zum Semesterende plant die Universitätsgalerie der Angewandten die Ausstellung „A Poem is Being Written“ mit Studierenden der Angewandten und weiteren Künstler*innen.

Für die Teilnahme können sich Studierende aller Fachrichtungen und aller Semester bewerben. Die Galerie interessieren insbesondere Arbeiten, die sich mit den Strukturen der Universität für angewandte Kunst als Lernort auseinandersetzen, als Ort mit ausgesprochenen und unausgesprochenen Regeln; kurz diverse Formen der Selbstreflexionen des Arbeitens an, mit und gegen die Angewandte.

Alle Formate und Medien sind willkommen. Die Kurator*innen Anke Dyes und Anette Freudenberger wählen aus den eingegangen Bewerbungen aus.

Bitte ein höchstens 5-Seitiges Portfolio mit Ansichten, Stills oder Skizzen, sowie eine kurze Erläuterung (maximal 1 Seite Text) des Vorschlags an anette.freudenberger@uni-ak.ac.at schicken.
(maximal 2MB)

A Poem is Being Written

Die Ausstellung fragt nach den Bedingungen und Versprechungen einer Ausbildung der ästhetischen Vorlieben und Fähigkeiten im Feld von Kunst und Gestaltung. Die Beschäftigung mit kreativen Schulen und bedeutenden Lehrer*innen, die zuletzt im Heiligenkreuzerhof zu sehen war, aufgreifend, geht es um das, was sich im Studium der Kunst oder des Design eigentlich (alles) vermittelt, und was davon wie bewusst? Und wie gehen Studierende mit den Übereinkünften, Vokabeln und unausgesprochenen Regeln um, die sie gerade kennenlernen? Welche Konflikte entstehen, wenn die eigenen Projektionen auf die Arbeit als Künstler*in, Architekt*in oder Designer*in auf ein Ausbildungssystem treffen und wie können diese Konflikte produktiv werden?
Was sind die Reibungsmomente, in denen die Praxis den Rahmen der Institution verlässt, oder diesen umnutzt, und ihn so zugleich reflektiert? Und ließe sich dieser Prozess auch als der Ursprung künstlerischen Forschens verstehen?

Geleitet wird diese Untersuchung von einem Text von Eve Kosofsky Sedgwick. In „A Poem is Being Written“ (in: „Tendencies“, 1993) nimmt sich die Literaturwissenschaftlerin und zentrale Denkerin der Queer Studies ihre eigenen Kindheitsgedichte vor, um nach den Ursprüngen der Fantasie einerseits und der Idee des (vermeintlich noch unverdorbenen und unausgebildeten, natürlich-genialen usw.) Frühwerks andererseits zu fragen. Sie fragt dabei implizit auch, welche Regeln und Zwänge in der Ausbildung einer eigenen künstlerischen Sprache zum Tragen kommen.

Ihr Text lehnt sich dabei schon im Titel an einen der bekanntesten Texte der Psychoanalyse an, Sigmund Freuds „Ein Kind wird geschlagen“, der aus der fantasierten Szene der (damals leider üblichen) Erziehungsmethode das Gerüst einer inneren Anordnung von Wünschen, Vorstellungen und Begehren ableitete. Sedgwick wendet diese Szene um. Nicht dem Kind passiert etwas, sondern eine kreative Handlung passiert. Diese ist kein unverstellter, eigentlicher Selbstausdruck und auch nicht der Ausgang (oder das Ziel) der Erziehung. Das Schreiben von Gedichten ist vielmehr Moment des Empowerment, der Wiederaneignung gemachter Erfahrungen, deren Bedingungen und Affekte nun umgewandelt werden in eine eigene Formfindung.

Die Ausstellung sucht nach Momenten, in denen die Institutionen und ihre Regeln in den Arbeiten der Studierenden umgewandelt werden zu eigenen Formen und Formaten. Ihnen wird dabei eine (kleine) Auswahl von etablierteren Künstler*innen zur Seite gestellt, die über das Studium hinaus „Frühwerk“, Aneignung, Forschung und Fantasie als spannungsvolles Verhältnis reflektieren.