Staatsstipendium für Medienkunst 2026 geht an Simon Goritschnig

09. März 2026
Welchen Wert werden Wasser, ein Samen oder ein Wald für Menschen in einer Zukunft haben, in der natürliche Ressourcen knapper und politisch umkämpfter sind?

Diese und andere Fragen rund um den künftigen kollektiven Umgang jener Bioressourcen, die heute als alltäglich angesehen werden, stellte sich Simon Goritischnig: verhandelt werden diese künstlerisch in seinem Bilderzyklus' Bionic Dreams, für den er das diesjährige Staatsstipendium für Medienkunst.

Darin untersucht der Künstler, wie sich Wahrnehmung und gesellschaftlicher Umgang mit Themen wie Ökologie, Freiheit und Sterblichkeit im Angesicht der Klimakrise verändern könnten. Seine Arbeiten kreisen um die geopolitischen Dynamiken und den damit verknüpften Umgang mit biologischen Ressourcen. – Fragen, die für kommende Generationen zunehmend existenziell werden. 
Eine wichtige Rolle spielt in Goritschnigs Arbeit der Begriff des Rituals. Als kulturelle Form der Wissensweitergabe verdichten und drücken Rituale menschliche Gefühle aus, wie etwa Ängste und Hoffnungen – und eröffnen zugleich Möglichkeiten, über langfristige Zeiträume hinweg Bedeutung zu vermitteln. Diese Perspektive verbindet der Künstler mit zeitgenössischen Formen der Bildentwicklung in intuitiver Untersuchung: Inspiration findet er etwa in der Open-Source-Bewegung, im Umgang mit künstlicher Intelligenz oder im Forschungsfeld der Atomsemiotik, das nach einer universellen Bildsprache sucht, um Wissen über Generationen hinweg verständlich zu machen.

Geboren 1988 in Klagenfurt, lebt und arbeitet Simon Goritschnig seit 2008 in Wien. Sein Studium der Grafik und Druckgrafik an der Universität für angewandte Kunst Wien schloss er 2015 ab; für seine Diplomarbeit wurde er mit dem Ernst-Beranek-Stipendium ausgezeichnet. Es folgten internationale Ausstellungen sowie mehrere Förderungen, darunter ein sechsmonatiges Aufenthaltsstipendium der Stadt Klagenfurt in Paris (2018) und das Jahresstipendium für Bildende Kunst des Landes Kärnten (2024). Seit 2023 unterrichtet er Zeichnung und digitale Medien an der Angewandten. Seine Arbeiten wurden unter anderem in Österreich, Portugal, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Polen und China gezeigt. 

Das Staatsstipendium für Medienkunst wird vergeben vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Mit der Auszeichnung würdigt das Ministerium ein künstlerisches Projekt, das sich mit drängenden Fragen unserer Gegenwart und Zukunft auseinandersetzt.