In Zeiten, in denen "alternative" Fakten anstelle tatsächlicher
Fakten den öffentlichen Diskurs zu bestimmen drohen, ist eine Auseinandersetzung mit Fragen der Narration umso wichtiger:
Wie wird / ist Wissen verfasst, das als sogenannte "objektive" Basis dient? Was bedeutet Recherche innerhalb der eigenen
künstlerischen Praxis? Lässt sich das Verhältnis von Faktum und Dramaturgie in einer produktiven Weise kollektiv entwickeln?
Die Gesprächsreihe GEFÜHLTE FAKTEN nähert sich emotionalisierten Debatten als Dialog zwischen Wissenschaft
und Literatur und sucht nach Möglichkeitsräumen, die durch das Teilen der jeweiligen Perspektive und das Entwickeln einer
kollektiven Sichtweise entstehen können.
Alle Termine und Infos auf
dieangewandte.at/gefuehltefaktenEine Veranstaltungsreihe der Abteilung Publikationen
mit dem Institut für Sprachkunst, Universität für angewandte
Kunst Wien
GEFÜHLTE FAKTEN #4
Zwischen Glitch
und Glättung – zu Politiken des Schreibens im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Wenn Künstliche Neuronale
Netze Texte generieren, so eine häufig geäußerte Vermutung, wird zwangsläufig die Sprache der Mehrheit zur Norm. Die vermeintliche
Revolution der Textgenerierung drohe zur Echokammer des Bestehenden in sowohl ästhetischer wie gesellschaftlicher Hinsicht
zu werden.
Nach tatsächlich innovativen ästhetischen Strategien und kritischen Umgangsweisen mit künstlicher
Intelligenz sucht dieses Gespräch zwischen dem Kultur- und Medienwissenschaftler Paul Feigelfeld, dem Autoren und Soziologen
Juan Guse, der Literaturwissenschaftlerin Anouk Luhn und Jan Svenungsson, Künstler und Leiter der Abteilung für Zeichnung
und Druckgrafik an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Donnerstag, 23. April 2026 – 18 Uhr
Universität für angewandte Kunst Wien
Auditorium
Vordere Zollamtsstraße 7
1030 Wien
Mit
Paul Feigelfeld,
Juan Guse,
Anouk Luhn
und Jan Svenungsson
Moderiert von Matthias Seier
Angelehnt an die Publikation
Art
Intelligence – How Generative AI Relates to Human Art-Making
Jan Svenungsson
transcript 2024
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.
Der Veranstaltungsraum ist barrierefrei zugänglich. Nähere Infos auf
dieangewandte.at/barrierefrei
BIOGRAFIEN
Anouk Luhn ist Literaturwissenschaftlerin, promovierte 2020 an der Freien Universität Berlin und
war Postdoktorandin des Exzellenzclusters "Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective". Aktuell forscht
sie als Fellow am Collegium Helveticum. Sie ist Mitgründerin der Publikationsreihe con·stel·la·tions (Textem Verlag).
Ihr Forschungsinteresse gilt der Frage wie Imaginationen, Umgebungen und Technologien unseren Zugang zu Sprache prägen.
Paul Feigelfeld ist Kultur- und Medienwissenschaftler und Professor an der Universität
Mozarteum Salzburg. Nach einem Studium der Kulturwissenschaften und Informatik in Berlin hatte er verschiedene Positionen
am Centre for Digital Cultures Lüneburg, der Kunsthochschule und der Universität Basel sowie der Universität für angewandte
Kunst Wien und der Universität Wien inne. Von 2021 bis 2024 vertrat er die Professur für Wissenskulturen im digitalen Zeitalter
am Institut für Designforschung der HBK Braunschweig und war Gastprofessor am Lehrstuhl für Medientheorien der Humboldt-Universität
zu Berlin. Er arbeitet zur Geschichte und Theorie digitaler Wissenskulturen sowie digitaler Gegenwartskunst.
Juan
Guse ist Autor und Soziologe. Seine Romane Lärm und Wälder (2014) und Miami Punk (2019) erschienen
bei S. Fischer. Zuletzt erschien der Band Tausendmal so viel Geld wie jetzt (2025) als das Ergebnis einer jahrelangen
Recherche in der Welt von Krypto-Männern. Für seine literarische Arbeit wurde er ausgezeichnet, zuletzt mit dem Aufenthaltsstipendium
der Akademie Solitude. Der Schwerpunkt seiner soziologischen Dissertation liegt auf der organisierten Bewertung von Menschen
unter dem Vorzeichen der "Begabung". Er ist Mitglied der Jungen Akademie für Wissenschaft und Literatur in Mainz.
Jan Svenungsson ist schwedischer Künstler, Autor und Essayist. Er studierte an der Kungliga Konsthögskolan
Stockholm und am Institut des hautes études en arts plastiques in Paris. Seit 2011 ist er Professor für Zeichnung und Druckgrafik
an der Universität für angewandte Kunst Wien. Sein multidisziplinäres Werk verbindet konzeptuelles Denken mit handwerklichen
Methoden – bekannt vor allem durch seine seit 1992 entstehenden Schornsteinskulpturen und Langzeitserien wie die "Chimney
Drawings". Parallel zur künstlerischen Praxis ist er als Kritiker und Essayist tätig; zuletzt erschien Art Intelligence
– How Generative AI Relates to Human Art-Making (transcript, 2024).
Matthias Seier studierte
Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen und ist Dramaturg am Volkstheater Wien. Er arbeitete
u. a. am Schauspielhaus Hamburg und an der Volksbühne Berlin; von ihm betreute Produktionen wurden zum Berliner Theatertreffen
eingeladen.