Lorenz Engell: Die Aufstellung der Natur
Das Diorama: Technik und
Theorie eines fast vergessenen Mediums
Eine
Veranstaltung der Abteilung Philosophie
Im Zeitalter der algorithmischen Durchdringung aller Existenzbereiche
und -weisen sind auch Technik und Natur zu einer gemeinsamen Mediasphäre verwoben, die nun unsere Umwelt, unser Habitat, bildet.
Diese mediale Aufstellung der Natur weist aber eine längere Vorgeschichte auf und hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.
Dabei nimmt ein fast vergessenes Medium, das Habitat-Diorama, wie man es in Naturkundemuseen vom 20. Jhdt. bis heute findet,
eine zentrale Stellung ein.
Das Diorama ruht zunächst auf einem ganz spezifischen Naturverständnis
der weißen, männlichen und technischen Dominanz über alles andere auf, der von Donna Haraway so genannten „Teddy Bear Hierarchy“.
Das Diorama dekonstruiert dieses Regime aber zugleich an seiner epistemischen und ästhetischen Basis. Es vollzieht zahlreiche
Operationen der Paradoxierung und Verkehrung zwischen Raum und Zeit, Anwesenheit und Abwesenheit, Tod und Leben, Gemachtheit
und Gewordenheit, Fülle und Leere. Es arbeitet so mit nicht nur an der Aufstellung, sondern an der Umstellung der Natur im
20. Jhdt.
Lorenz Engell ist Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar
und war Direktor des Internationalen Kollegs für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie Weimar. Seine Forschungsschwerpunkte
sind Film und Fernsehen.