So sitzen Sie richtig
Aufgabe, Anspruch und Vermittlung von Gegenwartskunst
Ein
Symposium für Eva Maria Stadler
Kunst einen Auftrag oder eine Aufgabe von außen zuweisen zu wollen, gilt als
eine Zumutung: Jeder künstlerische Anspruch an öffentliche oder kollektive Geltung muss zuallererst von der jeweiligen subjektiven
Positionierung ausgehen und von ihr selbst hervorgebracht bzw. als Kunst behauptet werden. In der grundsätzlichen Vielfalt
solcher Positionierungen liegt wiederum die Notwendigkeit von Vermittlung begründet. Wie aber ist diese sich stets selbst
zu stellende Aufgabe und das damit verbundene künstlerische Ansinnen im Spannungsfeld zwischen autonomen und angewandten Bestimmungen
zu verstehen? Welche Formen der Praxis machen eine solche Aufgabenstellung explizit und welche Formen der Vermittlung fordern
sie ein?
Wir wollen mit diesem Symposion anlässlich des 60. Geburtstags von
Eva Maria Stadler diese Aspekte der Gegenwartskunst in den Vordergrund rücken, wie sie auch in ihren eigenen Arbeitsstellungen
immer wieder aufgeworfen wurden. Die theoretischen und künstlerischen Beiträge sollen dabei um ein entscheidendes Motiv der
Gegenwartskunst gruppiert werden: um jenen leeren Stuhl, der zum Inbegriff der Abwesenheit von vorgegebenen, hierarchischen
Sinnangeboten geworden ist. Sigmar Polke hat uns mit seinem ironischen Bildtitel „So sitzen Sie richtig, nach Goya und Max
Ernst“ (1982) den entscheidenden Hinweis gegeben, dass mit diesem leeren Stuhl selbst nicht nur gearbeitet werden kann, sondern
dass er temporär immer wieder besetzt werden muss. Denn daran entzündet sich erst – zwischen Malerei und Konzeptkunst, Möbel-
und Ausstellungsdesign, Bühne und Auditorium – die Frage nach dem subjektiven Sinnanspruch und seiner ebenso ästhetischen
wie politischen Dimension.
Eine Veranstaltung der Universität für angewandte Kunst Wien. Festkomitee: Helmut
Draxler, Lukas Kaufmann, Eva Kernbauer, Jakob Lena Knebl, Julienne Lorz, Heike Maier-Rieper, Cosima Rainer, Martina Schöggl,
Gerhild Steinbuch, Jenni Tischer, Ines Turian, Aneta Zahradnik.
Mit Bibiana Beglau, Henning Bohl, Sabeth
Buchmann, Paul Buschnegg, Carola Dertnig, Helmut Draxler, Paul Ebhart, Christian Egger, Kilian Hanappi, Richard Hoeck, Lukas
Kaufmann, Eva Kernbauer, Jakob Lena Knebl, Lotte Lyon, Johannes Porsch, Florian Pumhösl, Cosima Rainer, Edi Rama, Constanze
Ruhm, Hans Schabus, Petra Schaper Rinkel, Mirjam Thomann, Jenni Tischer, Wiener Times, Thomas D. Trummer, Jan Verwoert, Sascha
Zaitseva, Heimo Zobernig, u. v. a.
Die Vorträge finden in englischer und deutscher Sprache statt.
Datum: Freitag, 24. Mai 2024, 12:00-0:00
Ort: Auditorium, Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien + Steinsaal (Transmediale
Kunst), Oskar-Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien
12:00 Auftakt im Auditorium:
Bibiana Beglau, Die Vermessung
der Torte
Petra Schaper Rinkel, Begrüßung und Festrede
Cosima Rainer, Eröffnung
Edi Rama, Grußbotschaft
13:00 Symposium
mit Helmut Draxler, Eva Kernbauer, Sabeth Buchmann, Thomas D. Trummer
16:30 Jan Verwoert,
Abendvortrag
Lesen und Beten? Modulieren!
Wozu sollen die Künste Anlass geben? Zu ästhetischer Lektüre und andächtiger
Versenkung? Wie läßt sich da noch mehr rausholen? Maurice Merleau-Ponty spricht von Modulationen der Raumzeit. Katzen können
sowas. Was müssen wir uns von ihnen abschauen auf dem Weg zum *modus felium* katzürlich katzureller Kunstvermittlung?
17:30 Jenni Tischer, Lukas Kaufmann und Mirjam Thomann, Geschenkübergabe
ab 19:00 Sound Performances im Steinsaal:
mit Paul Buschnegg und Kilian Hanappi sowie DjSets von Paul Ebhart und show signal
Plakat: Heimo (Z)obernig
Titel entlehnt von: Sigmar Polke, So sitzen Sie richtig, nach Goya und Max Ernst 1982, Sammlung Frieder Burda